Musikschule Maloja

Sils, Studienprojekt (ZHAW), 2018 

Ein steinerner geschichteter Körper bildet das Ende des Parks von Seglias. Abgerückt von der Dorfkante wird er vom Dorf aus gesehen zu einem freistehenden Instrument: der Malojaorgel.

Eine Skulptur als Schule

Als städtebauliches Gegenstück zum gegenüberliegenden Sportinternat begrenzt das Gebäude die Peripherie des Dorfes. Hier können zwei bis drei Klassen im Internatsaufenthalt das Orgelspiel erlernen. Die als Quader wahrgenommenen Mauerschalen schichten sich zu einem archaisch anmutenden Körper auf, der mit der Talsohle verbunden ist und sich zum Himmel hin auflöst. Vom Dorf her kommend wird man vom hervorgestreckten Arm des Volumens empfangen und in dessen innere Welt geleitet. Hier führt ein helixförmiger Weg bis zum Orgelraum im obersten Geschoss. Die steinernen Quader begleiten diesen Weg, der, aufgeladen mit räumlichen Transparenzen und Vertikalbeziehungen, zusammen mit der kontinuierlichen Kernfigur eine Spannung aufbaut. Eine Holzverkleidung in den strukturellen Öffnungen, die integral Dämmung, Technik und Fenster aufnimmt, schafft den Übergang ins Innere der Quader, die nutzungsspezifisch ausgekleidet sind. Diese introvertierten Räume werden von oben belichtet. Ganz zuoberst beinhalten sie die Orgel selbst.

Die Orgel

An Vorlesungsraum, Bewohnergeschoss und Übungsstuben vorbei erreicht man ein Zwischengeschoss, wo man unterhalb der beiden Spieltische einen ersten Einblick in die Mechanik der Orgel erhält. Letztere bezieht ihren Wind aus einer der talwärtigen Strukturöffnungen und ist als räumlich erleb- und begehbare Struktur Teil des Orgelraums. Die Pfeifen der Register sitzen auf den hölzernen Windladen in den schützenden Quadern. Sie werden durch ein zwischen den Quadern befindliches Carillonregister ergänzt, dessen Klang sich zusammen mit dem durch dieselben Zwischenräume einfallenden Licht mittels von den Spieltischen aus bedienbarer Lamellen dämpfen lässt. Die Spieltische, die Duette ermöglichen, stehen mittig auf dem Kern. Der Weg führt weiter hinauf durch die Pfeifenregister der Orgel und endet im Carillon.

Die Konstruktion

Auf einer Pfahlfundation steht im Grundwasser das als „weisse Wanne“ ausgebildete Kellergeschoss. Auf diesem steht das im Querschnitt korallenartig anmutende Betongefüge, das sowohl kalt als auch warm seinkann. Die Dämmung ist als Innendämmung konzipiert und wird jeweils mit Holz verkleidet: Auf das dampfdichte Foamglas wird eine Trägerplatte geklebt, an der eine ausgleichende Lattung für die innere Nadelholzverkleidung befestigt ist. An den Übergängen wirkt die Dämmung als Flankendämmung über jeweils mindestens zwei Meter, was zusätzlich die raumakustische Situation in den Übungs-, Schlaf- und Vorlesungsräumen und der Orgel verbessert. Auf dem Dach ist die wasserführende Schicht als Behälter analog vorgesehen. Die Holzfenster sitzen an geschützter Stelle; die Oberlichter sind mit Wasserleitblechen versehen. Das Muster der Betonschalung aus groben Brettern kommuniziert mit den Holzverkleidungen des Innenraums.